NDR Kultur - Moderation
NDR Kultur, Sonnabend, 9. September 2006, 16.06 Uhr, Moderation
Moderatoren-Klimmzüge, Geschwätzigkeit, kritische geschichtliche Oberflächlichkeit
Einmal mehr eine fragwürdige Huldigung für Friedrich II., König von Preußen
Eine Variante: „Die wichtigste Frage“ für den König war es „wohl“, die „Bedeutung“ „(seines) kleinen Staates“ „im Krieg“ zu „heben“
Das Kammerorchester Carl-Philipp-Emanuel-Bach spielte den ersten Satz der Sinfonie G-dur von Friedrich II., dem König von Preußen, für den die wichtigste Frage wohl war, wie hebe und festige ich - ob im Krieg, ob im Frieden - Ansehen und Bedeutung meines kleinen Staates? Und wie sehe ich dabei noch aus, wie ein weiser Förderer der Kultur?
Heute, 250 Jahre später, haben viele Menschen viele andere Fragen, aber in vielen dieser vielen Fragen schimmert immer wieder das Gefühl der Bedrohung durch, der Bedrohung durch menschliche Konflikte. Ist es Mord, einen Mörder zu töten? Wer profitiert vom Terrorismus? Oder: Was passiert eigentlich, wenn jeder Chinese ein Auto will?
112 Prominente aus aller Welt sollen heute in Berlin solche Fragen, die sogenannten 100 drängendsten Fragen der Menschheit, beantworten, sozusagen im Schnellverfahren. Wir berichten über diese Aktion in dieser Stunde - auf NDR Kultur.
Eine drängende Frage für den Dirigenten Paavo Berglund und das NDR-Sinfonieorchester: Wie interpretieren wir den 3. Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 4 G-dur von Ludwig van Beethoven? Das ist eine Antwort:
[Dauer: 1 min und 12 sec, es folgt der 3. Satz usw.]
Kritische Anmerkungen zum ersten Teil der Moderation (Friedrich II.)
Kritikpunkt 1: Beim Hören der Radiosendung - genauso wie beim Wiederhören vom Band - blieben bzw. bleiben, bedingt durch die Betonungen und die sonstige Vortragsweise des Moderators, vor allem die Stichworte „Friedrich II.“, „wichtigste Frage“, „kleiner Staat“ und „Bedrohung“ im Ohr, obwohl das Wort „Bedrohung“ schon Teil des zweiten Gedankenabschnitts ist.
Kritikpunkt 2: Ein Satz in dieser Kürze zu Friedrich dem Großen war vollkommen unnötig, sollte aber wohl zu dessen Ehre kommen. Dabei versäumt es der Moderator jedoch, den Charakter der Politik von Friedrich II. verbindlich zu benennen. Stattdessen reiht er unter der übergeordneten superlativen Gewichtung - „die wichtigste Frage“ - die unterschiedlichen und sogar auch entgegengesetzten Worte „heben“, „festigen“, „Krieg“, „Frieden“, „Ansehen“ und „Bedeutung“ beliebig aneinander. In der unverbindlichen, gemixten Fassung ist der Satz verzichtbar, weil er eine Rechtfertigungsmöglichkeit ist für viele verschiedene Wege der Politik, auch für den „wichtigsten“ Weg, „im Krieg“ die „Bedeutung“ eines „Staates“ zu „heben“, zum Beispiel wenn der Staat erst „klein“ oder kleiner als nach dem Krieg ist. Übrigens begann vor fast auf den Tag genau „250 Jahren“ der wichtige Siebenjährige Krieg: „Am 29. August 1756 überschritt die preußische Armee ohne vorherige Kriegserklärung die Grenze Sachsens.“ (aus: Wikipedia, Siebenjähriger Krieg).
Kritikpunkt 3: NDR Kultur huldigt, wie wir schon wiederholt berichtet haben, durch das sehr häufige Senden von Einzelsätzen aus der Feder von Friedrich II. und durch eine ihm geneigte Moderation in auffälliger Art dem „König von Preußen“. Und so geschieht es auch mit dem Satz in der Moderation.
Weitere Informationen aus Wikipedia zu Friedrich II. von Preußen:
Seite „Preußen“, Abschnitt „Friedrich II. - der Große“
Seite „Friedrich II. (Preußen)“, Abschnitt „Historische Bedeutung“
Hinweis zum zweiten Teil der Moderation (die 100 drängendsten Fragen der Menschheit)
Die Reportage um 16.30 Uhr, für die um 16.07 Uhr geworben wurde, berichtete „im Schnellverfahren“ über eine provisorische und chaotische Aktion am Lehniner Platz in Berlin, ohne bleibenden Informationswert, und soll hier dem Leser erspart werden.
Kommentar zum dritten Teil der Moderation (Paavo Berglund und das NDR-Sinfonieorchester)
Verzichtbar. Der Moderationstext spricht für sich.

• Der kleine Erfolg: