NDR Kultur, 4. April 2007, 11.30 bis 11.34 Uhr
Sendeprotokoll eines ungewöhnlichen Kulturberichts |
Moderator (Vorankündigung, um ca. 11.16 Uhr, sinngemäß):
Wenn Männer einem „das Telefonbuch vorlesen“, würde es „trotzdem kribbeln“. „Scharfe Stimmen“ ist eine neue Hörbuch-Reihe „für Frauen“, die der Verlag Hoffmann und Campe zusammen mit der Frauenzeitschrift „Petra“ herausbringt. Als erstes Hörbuch stellte Christian Redl in Angie's Nightclub auf der Reeperbahn in Hamburg den Roman „Betty“ von Georges Simenon vor. (Kurze Inhaltsangabe) | |
Lighthouse-Pressemitteilung: Erotik fängt bei der Verpackung an und die Hörbücher „Scharfe Stimmen“ lassen keinen Wunsch offen. Ab März erscheint jeden Monat ein erotisches Hörbuch, verpackt in knisterndes Seidenpapier, des Verlags Hoffmann und Campe in Kooperation mit der Zeitschrift PETRA. Die attraktivsten Schauspieler Deutschlands lesen die aufregendsten Texte der erotischen Literatur und versprechen sinnliche Begegnungen. (...) „Diese Männer könnten einem das Telefonbuch vorlesen - es würde trotzdem kribbeln“, verspricht Gabriela Jaskulla, Hörbuch-Chefin bei Hoffmann und Campe und maßgeblich an der Auswahl der Texte und Sprecher beteiligt (siehe: Lighthouse Nortorf, Pressemitteilungen). |
Musik: Friedrich Smetana, Die Moldau, Sinfonische Dichtung Nr. 2 für Orchester (Má Vlast), siehe: NDR-Kultur-Musikliste Matinee |
Moderator (um 11.30 Uhr): Absage der Musik... |
Moderator:
Halb zwölf inzwischen am Mittwoch, Sie hören NDR Kultur.
„Scharfe Stimmen“, so heißt eine neue Hörbuch-Reihe, die der Verlag Hoffmann und Campe zusammen mit der Frauenzeitschrift „Petra“ herausbringt. Zehn Männer mit scharfer Stimme lesen erotische Geschichten für Frauen. Mit dabei sind unter anderem Christian Brückner, Jan Josef Liefers und Christian Redl, der den Anfang macht. Der Schauspieler, der vielen aus Film und Fernsehen, vor allem als Bösewicht bekannt ist, er hat gestern seine Hörfassung von Georges Simenons Roman „Betty“ vorgestellt, und zwar in Hamburg, in Angie's Nightclub auf der Reeperbahn. Katja Weise war eine der Frauen, die an seinen Lippen hingen. | |
Verlag Hoffmann und Campe:
„Ab März startet petra, das monatliche Frauenmagazin aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag, erstmals eine exklusive Hörbuch-Reihe: ‚petra Scharfe Stimmen‘ – erotische Geschichten für Frauen, gelesen von den erotischsten Männerstimmen Deutschlands. Gemeinsam mit dem Hoffmann und Campe Verlag wählte petra Stimmen und Programm der zehnteiligen Reihe aus.“ (siehe: Pressemitteilung „Im März startet...“)
„Unter anderem lesen Jan Josef Liefers, Christian Redl, Michael Mendel, Axel Prahl und Christian Brückner.
Am 3. April macht Christian Redl den Anfang mit einer Lesung aus Georges Simenons Roman ‚Betty‘.“ (siehe: Pressemitteilung „Petra Scharfe Stimmen...“) |
| (Dauer der Moderation: 38 sec) |
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Katja Weise (Bericht):
Da sitzt er, ein nicht besonders großer, kräftig gebauter Mann mit Glatze, die Lesebrille auf der Nase, den Mund ganz nah am Mikrofon. So nah, als wollte er's mit den Lippen berühren. Und dann macht frau am besten nur noch die Augen zu.
Christian Redl (Lesung, mit rauher Stimme und mit ruhiger Musik unterlegt):
„Sie war in einen eintönigen, nebelgrauen Schlaf gesunken, der so erschöpfend war wie der Marsch durch die Wüste. Sie träumte nicht. Dann vernahm sie ein Läuten. Der vibrierende Ton drang ihr in den Schädel. Er wurde aggressiver und aggressiver, bis sie endlich feststellte, dass es das Telefon neben ihrem Bett war.“
Erste Zuhörerin (mit Musik unterlegt):
„Christian Redl hat für mich eine Stimme, von der man nicht einfach wieder wegkommt, wenn man angefangen hat zuzuhören. (betont:) Sehr erotisch.“
Zweite Zuhörerin (mit Musik und Geschirrgeklapper unterlegt):
„Es ist fast eine Art magnetische Kraft. Also er schafft es, von der ersten Sekunde an mich in'n Bann zu ziehen, wenn er liest.“
Dritte Zuhörerin (mit Musik unterlegt):
„Man kann einfach nur den Klang seiner Stimme hören, also das macht schon, glaube ich, die Atmosphäre aus, egal was er liest.“
Katja Weise (Bericht):
Christian Redl liest „Betty“, die Geschichte einer Frau, die an ihren eigenen Sehnsüchten und Leidenschaften zugrunde geht, weil sie sie in ihrer Ehe nicht befriedigen kann. Jeden Nachmittag, wenn ihr Mann nicht zu Hause ist, macht sie sich auf den Weg. Auf die Suche nach sich selbst. Christian Redl hat fast alle Bücher von Georges Simenon gelesen und schätzt sie sehr, die Romane, nicht die Kriminalromane.
Christian Redl (Interview):
„Da kommen Menschen in Situationen, denen sie nicht gewachsen sind. Das heißt, ein Leben wird gezeigt, und plötzlich passiert etwas völlig Unvorhergesehenes. Und dieser Mensch kennt sich selbst nicht mehr wieder, was mit ihm da passiert. Er begreift sich nicht, und das ist ein zentrales Thema bei allen Figuren von Simenon, dass Menschen das, was mit ihnen geschieht, nicht begreifen und auch nicht reflektieren können.“
Katja Weise:
Betty lädt ihren Liebhaber zu sich nach Hause ein, empfängt ihn nur mit einem Bademantel bekleidet im Salon.
Christian Redl (Lesung, mit rauher Stimme und mit ruhiger Musik unterlegt):
„Schamlos zwang sie ihn, sie zu nehmen, und er sah ihre triumphglänzenden Augen und ihre kleinen zusammengebissenen Zähne dicht vor sich.“ |
Katja Weise (Bericht):
Manch einer, manch (betont:) eine mag das (betont:) scharf finden. Für Christian Redl spielt die Erotik nur eine untergeordnete Rolle. Ihm kam es bei der Auswahl des Textes vor allem auf die literarische Qualität an.
Christian Redl (Interview):
„Ich hätte ungern irgendwelche schwülstigen, na so, deftigen Sachen gelesen, (...) das kenne ich ja nun auch alles, (...) das wär nicht etwas, was ich jetzt noch machen möchte. (...) Ich werde 60 (...), also das brauch ich nicht mehr.“
Katja Weise (Bericht):
Vielleicht gelingt es ihm gerade deshalb, jede kleine Nuance ganz unprätentiös auszukosten, ohne Schwulst und Sahnehäubchen. | |
Katharina Miklis in „Petra“ Nr. 04.07: Für die „Scharfen Stimmen“ nahm der Mann mit dem Reibeisen-Timbre ein erotisches Hörbuch speziell für Frauen auf (...). Als einziger Sprecher bestand Literatur-Fan Redl darauf, sein Buch höchstpersönlich auszusuchen – für ihn die Gelegenheit, „einen meiner Lieblings-Schriftsteller vorzustellen“.
Was dem Charakter-Darsteller an der Arbeit für PETRA „Scharfe Stimmen“ besonders gefallen hat? Dass er saftige Erotik-Szenen diesmal nicht spielen, sondern nur vorlesen musste. „Vor der Kamera fühlt man sich ausgesetzter. Beim Lesen kommt es darauf an, die Fantasie der Hörer zu mobilisieren.“ Das schafft Redl zweifellos.
(Zitate aus dem Artikel auf S. 171) |
| (Dauer des Kulturberichts: 2 min 54 sec) |
Moderator:
Die „Scharfen Stimmen“ erscheinen monatlich bei Hoffmann und Campe als Doppel-CD für je 14,95 Euro. Und jeden letzten Dienstag im Monat gibt es Gelegenheit zum audiovisuellen Seitensprung in Angie's Nightclub auf der Hamburger Reeperbahn. Nächste Lesung mit einer scharfen Stimme wird sein am 24. April. Dann liest Konstantin Graudus aus dem Buch „Im Harem des Prinzen“. | |
Verlag Hoffmann und Campe:
„‚petra Scharfe Stimmen‘ erscheinen monatlich bei Hoffmann und Campe als Doppel-CD und sind für je 14,95 Euro im Buchhandel erhältlich.“
„Jeden letzten Dienstag im Monat laden petra und der Hoffmann und Campe Verlag außerdem zum ‚audiovisuellen Seitensprung‘: In Angie's Nightclub auf der Hamburger Reeperbahn lesen Jan Josef Liefers & Co. aus ihren Hörbüchern.“ (siehe: Pressemitteilung „Im März startet...“) |
NDR Kultur (mit dem langen Jingle unterlegt:) Kultur hat ein Programm. NDR Kultur - hören und genießen. |
| (Dauer von Moderation und Jingle: 35 sec) |
Musik: Allegro (1. Satz) des Violinkonzerts G-dur, KV 216, von Wolfgang Amadeus Mozart |
1. Wie garantiert der Sender in dem geschilderten Fall die journalistische Unabhängigkeit?
2. Ist die gebotene Trennung von Programm und Werbung eingehalten worden?