Das GANZE Werk - Presseschau (Dokumentation)
Süddeutsche Zeitung, 12. August 2005, Ausschnitte
SZ-Interview mit NDR-Intendant Plog:
„Das öffentlich-rechtliche System lebt von zwei Prinzipien:
Unabhängigkeit von der Politik und Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen.“
„Die Schleichwerbefälle waren
ärgerliche Randphänomene, die wir zügig aufklären.“
„Im Lichte der aktuellen Debatte wird man die Produktionshilfen durch Dritte für ARD-Sendungen noch mal überdenken.“
| Originalansicht der Ausschnitte |
(...)
SZ: Die früheren Sportchefs Jürgen Emig vom Hessischen Rundfunk und Wilfried Mohren vom MDR kamen wegen des Verdachts auf Korruption sogar in Haft. Eine weitere Peinlichkeit.
Plog: Auch hier steht jede ARD-Anstalt für sich. Ich habe keine Kenntnis über interne Abläufe beim HR oder MDR. Von heute aus betrachtet ist es natürlich rätselhaft, warum die Aufklärung so lange gedauert hat. Es verbietet sich aber, die Vorfälle als „systemimmanent“ zu bezeichnen. Wir behaupten ja auch nicht, dass die Probleme bei VW, Infineon oder Commerzbank ein System sind. Es sind Verfehlungen Einzelner - auch wenn es einen Trend gibt, dass Deutschland auf der Korruptionsskala nach oben in Richtung Balkan läuft.
SZ: Was wird aus den Produktionshilfen durch Dritte für ARD-Sendungen?
Plog: Wir hatten eine Art Richtlinie, wonach in Ausnahmefällen solche externen Produktionshilfen in begrenztem Umfang möglich sind. Zahlungen gibt es zum Beispiel, wenn ein Veranstalter bei Übertragungen besondere Wünsche hat wie die Produktion eines Weltsignals. Im Lichte der aktuellen Debatte wird man diesen Komplex noch mal überdenken.
SZ: Waren die Enthüllungen also insgesamt ein heilsamer Schock?
Plog: Wir sind jetzt zwischen Baum und Borke. Die Gesellschaft ist von Werbung durchzogen - da können wir nicht in die Zeit zurückfallen, als wir Produkte erfunden haben, um keine realen zu zeigen. Natürlich kann auch mal ein Opel durchs Bild fahren...
SZ: ... wenn dafür kein Geld fließt.
Plog: Sicher. Die ARD muss selbstbewusst genug sein, mit dem Problem umzugehen. Die Schleichwerbefälle waren ärgerliche Randphänomene, die wir zügig aufklären. Es gibt keinen Grund, im Büßerhemd herumzulaufen. Das öffentlich-rechtliche System muss klar machen, dass es von zwei Prinzipien lebt: Unabhängigkeit von der Politik und Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen.
(...)
Das Interview führte Hans-Jürgen Jakobs.
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