Das GANZE Werk - Presseschau (Dokumentation)

Gong Nr. 36, 2. September 2005

Fernsehen aktuell

ARD - Panik auf der Titanic

Den Skandal um verbotene Werbung und Schmiergeld glaubten die ARD-Kapitäne schon hinter sich. Doch neue Enthüllungen bringen den Sender in höchste Not

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Deutschlands führende Medien-Journalisten zur Krise der ARD

Hat ARD-Vorsitzender Thomas Gruber seinen Laden noch im Griff?

„Nicht wirklich. Das wäre von einem Vorsitzenden aber auch zu viel verlangt. Was in Saarbrücken vielleicht Usus war, muss nicht für Köln stimmen. Das Krisenmanagement der ARD ist schlecht, erinnert an Salami-Taktik.“
Volker Lilienthal, epd Medien

„Gruber muss umgehend bei jeder ARD-Anstalt den Schmutz aus noch so kleinen Ritzen hervorkehren. Falls er nicht alles schonungslos aufklärt, wird seine Amtszeit als dunkles Kapitel in die ARD-Geschichte eingehen.“
Klaus Ott, Süddeutsche Zeitung

„BR-Intendant Gruber wird bestreiten, dass er seinen Laden nicht im Griff hat. Wie auch? Er kennt ihn doch gar nicht. Motto der ARD-Intendanten: Was ich nicht wissen will, weiß ich auch nicht, und dann gibt es das auch nicht.“
Joachim Huber, Tagesspiegel


Ausschnitt zur aktuellen Situation beim MDR

Starke Worte. Da stört nur die Meldung, dass den MDR-Rund-funkräten in diesen Tagen von hoher ARD-Stelle Vorzugskarten für begehrte Spiele der kommenden Fußball-WM angeboten wurden.

Nach der Wende habe im MDR Wildwest-Mentalität geherrscht, analysiert ein Mitarbeiter der Dreiländer-Anstalt: Es zählte nur, den Sender schnell nach vorne zu bringen. Ob der eine oder andere in die eigene Tasche wirtschaftete, habe niemand so genau wissen wollen - nach der Devise: „Wenn es gut läuft, schaut man nicht so genau hin.“

Die Wirtschaftsprüfer, die sich der MDR vor einigen Wochen in die Leipziger Zentrale holte, um die Hintergründe zum Korruptionsfall Mohren aufzudecken, schauten genau hin. Eher zufällig stießen sie auf eine Kooperation des Senders mit der Lottogesellschaft Oddset vor fünf Jahren.

Damals fragten Reporter der Sendung „Sport im Osten“ Passanten: „Kennen Sie die neue Sportwette Oddset?“ Ein klarer Fall von Schleichwerbung, wie man nun weiß. Es kommt noch doller. In ihrem Zwischenbericht, den die Wirtschaftsprüfer dem MDR-Rundfunk- und Verwaltungsrat in einer Sondersitzung vergangene Woche vorlegten, kam heraus: Einnahmen aus dem Oddset-Geschäft flossen nicht nur auf Mohrens Konto. Auch der MDR kassierte. Rundfunkrats-mitglied Heiko Hilker ist unzufrieden: „Wir Gremienmitglieder bekommen nur ausgewählte Berichte vorgelegt.“ Ein anderer vermutet, dass höhere ARD-Mitarbeiter geschützt werden sollen.

Mieses Krisenmanagement? MDR-Mitarbeiter etwa stehen längst nicht mehr geschlossen hinter ihrem Intendanten. Viele glauben, Udo Reiter müsse eigentlich den Kopf hinhalten - nicht so der Rundfunkratsvorsitzende Klaus Husemann. Er sieht eine „grausame Kampagne“ gegen Reiter. Sicher, es habe sich vielleicht Unmut wegen Reiters Sparkurs breit gemacht. „Aus meiner Sicht gibt es aber keinen Anlass, über den Rücktritt des Intendanten zu diskutieren“, sagt Husemann.

Lesen Sie die Pressemitteilung des Gong-Verlags:
Schleichwerbung: Neue, schwere Vorwürfe gegen MDR
Rundfunkrat spricht von zurückgehaltenen Informationen:
„Wir bekommen nur ausgewählte Berichte“