Das GANZE Werk - Presseschau (Dokumentation)

DIE WELT, 12. September 2005 (Ausschnitte)

Studio Hamburg will schlanker und rentabler werden

Eine Strukturreform soll das Hamburger Ateliergelände wieder in die Gewinnzone bringen - 35 Arbeitsplätze abgebaut

von Martin Ax

(...) In Tonndorf wird zur Zeit ein Schmuckstück der Hamburger Medienwirtschaft aufgefrischt, das zuletzt an Glanz verloren hatte. (...)

Die Rede ist von Studio Hamburg. Genauer: von dem Herzstück der Studio-Hamburg-Gruppe - dem Studiogelände in Tonndorf. Die Firmengruppe insgesamt hat seit 1995 ein steiles Wachstum hingelegt, ist heute der größte deutsche Film- und TV-Dienstleister noch vor der Münchener Bavaria. Aber: Wachstum und Rendite fanden vor allem in kleinen kreativen Tochterfirmen oder an den neuen Standorten Berlin und Babelsberg statt. Die Keimzelle - das Studiogelände in Hamburg, wo 1947 die Firmengeschichte begann und bis heute die Konzernzentrale sitzt - dieser Studiokomplex wurde zum Sorgenkind, hat 2002 und 2003 sogar rote Zahlen geschrieben.

Der Studiobetrieb, also das technische Innenleben der Studios, hat im Laufe der Jahre an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Das führte zur Schieflage in der Firmengruppe: Während Studio Hamburg seine neu erworbenen Ateliers in Berlin-Adlershof und Babelsberg gleich mit neuester mobiler Technik für die heute üblichen Produktionsabläufe saniert hat, ist dieser Wandel in Hamburg langsamer vor sich gegangen.

Um den Rückstand endgültig aufzuholen, hat die Holding-Geschäftsführung um Martin Willich und den neuen Geschäftsführer Robin Houcken das bislang entschlossenste Reformprogramm in Tonndorf eingeleitet. Damit sei nun der Turn-around erreicht: 2005 würden die Hamburger Atelierbetriebe wieder Gewinn erwirtschaften, sagt Houcken. Im WELT-Gespräch haben er und Michael Rasch, Geschäftsführer der Studio Hamburg Atelier GmbH, jetzt erstmals alle Details der Strukturreform auf den Tisch gelegt. Sie hat im wesentlichen zwei Elemente.

Erstens: Bislang war der gesamte Betrieb der Hamburger Studios in einer Firma zusammengefaßt, der Studio Hamburg Atelierbetriebs GmbH. Diese Struktur sei zu schwerfällig gewesen, sagt Rasch: „Sie war noch darauf ausgerichtet, daß der Produzent eines Films oder einer TV-Show alles aus einer Hand haben will, vom Studio über Licht und Ton bis Postproduction. Das ist aber nicht mehr üblich. Heute stellen Produzenten ihren Bedarf aus dem Angebot vieler Dienstleister selbst zusammen.“

Deshalb ist die GmbH jetzt in Arbeitsbereiche aufgeteilt worden, die zum Teil als eigene Firmen agieren. Die reine Immobilienverwaltung ist Teil der Holding geworden. Die Studio Hamburg Atelier GmbH (41 Mitarbeiter) vermietet nur noch Studios und fest installierte Lichttechnik. Die neue Studio Hamburg Filmtechnik GmbH (15 Mitarbeiter) vermietet mobile Licht- und Kameratechnik an Filmteams. Die neue Studio Hamburg Postproduction GmbH (49 Beschäftigte) kümmert sich nur noch um Bild- und Tonbearbeitung; die Studio Hamburg Synchron GmbH war schon in den 90er Jahren ausgegliedert worden.

Der Bereich Sendeabwicklung ist in die Studio Berlin Adlershof GmbH integriert worden, um Synergien zwischen den Standorten zu nutzen. Und die Werkstätten mit rund 60 Mitarbeitern sind der Projektberatungsgesellschaft Studio Hamburg MCI zugeschlagen worden. Warum? Weil Kulissenbau für Film und TV die Werkstätten nur noch zu 30 Prozent auslastet; 70 Prozent ihres Umsatzes machen die Handwerker heute mit Innenausstattung für Messen, Museen, Musicals oder Medienzentren.

Bei der Umstrukturierung hat Studio Hamburg noch einmal 35 Arbeitsplätze abgebaut, „überwiegend in koordinierenden Tätigkeiten, nicht in kreativen Bereichen“, sagt Houcken. Der Abbau im Studiobetrieb werde durch Wachstum auf anderen Geschäftsfeldern ausgeglichen. Insgesamt hat die Firmengruppe zur Zeit 1140 Mitarbeiter, davon etwa 750 in Hamburg. (...)

Die NDR Media GmbH - 100 %-ige Tochter des NDR - ist alleinige Gesellschafterin der Studio Hamburg Gruppe (siehe Grafik der NDR Media GmbH).

Lesen Sie auch:
Frank Döhmann, ex Studio Hamburg und anderswo
Frankurter Rundschau, 21. Juli 2005 u.a.