Das GANZE Werk - Presseschau

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. September 2005
(von einem Hörer übermittelt)

Zwangsabgabe an ARD und ZDF

Wer die Einschaltquoten zur Richtschnur der Programmgestaltung macht, kann nur dem Massengeschmack gerecht werden, aber kaum noch einen Bildungsauftrag erfüllen

Von Erwin Ungermann, Königstein im Taunus (Leserbrief)

Die Aufmerksamkeit, welche die F.A.Z. dem Verhalten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zuteil werden läßt, führt auch zu der Frage, ob der bestehende Rundfunkstaatsvertrag nicht grundsätzlich revisionsbedürftig ist. Über die Vorstellung, die Sendeanstalten sollten wirtschaftlich unabhängig einen Kulturauftrag erfüllen und eine Grundversorgung des Zuschauers/Hörers sicherstellen, ist die Zeit mit Siebenmeilenstiefeln hinweg geschritten. Die Privaten bieten, um es zurückhaltend zu formulieren, inzwischen gleichwertige Sendungen an, während sich gleichzeitig die manchen lästige Werbung, von der uns leider auch ARD und ZDF nicht verschonen, durch neue technische Entwicklungen ausblenden läßt. Von fehlender Grundversorgung kann jedenfalls kaum noch die Rede sein. Und wer erfahren möchte, was ARD und ZDF unter Bildungsauftrag verstehen, möge sich nur deren Programme zur Hauptsendezeit ansehen: Mord und Totschlag lösen sich mit Volksmusikgedudel ab. Wer die Einschaltquoten zur Richtschnur der Programmgestaltung macht, kann nur dem Massengeschmack gerecht werden, aber kaum noch einen Bildungsauftrag erfüllen.

Es gefällt mir ganz und gar nicht, daß ich in einem Land, das sich so gern auf seine Freiheitlichkeit beruft, für diese Sender eine Zwangsabgabe entrichten muß, obwohl ich deren Programme womöglich gar nicht sehen möchte. Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, diesen alten Zopf abzuscheiden und auch das Fernsehen dem freien Spiel der Kräfte anzuvertrauen. Unsere Nachbarländer geben jedenfalls keinen Hinweis, daß davon die Welt untergehen könnte. Es würden sich sehr schnell neue Formen der TV-Unterhaltung bilden, die dem Zuschauer bessere Möglichkeiten böten, sein Geld für die Programme auszugeben, die er auch wirklich sehen will.

Lesen Sie zur Meinung des GANZEN Werks zu den Gebühren die Vorbemerkung der Redaktion zu der Kurzrezension zu: „Nie wieder Rundfunkgebühren“ von Bernd Höcker