Das GANZE Werk - Presseschau (Dokumentation)
Süddeutsche Zeitung, 28. September 2005, Ausschnitte
Wissenschaftler gegen „Sportschau“
Volley ins Netz
ARD-Programmdirektor Stuve: „Die Leute wissen, dass man die Bundesliga nur durch Werbung und Sonderwerbeformen finanzieren kann.“
Die Sender feilschen bereits wieder um die Rechte an der nächsten Bundesliga. Für die Wissenschaft steht jedoch schon eines fest: Mit der Sportberichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen sitzt man weder in der ersten Reihe, noch sieht man besser.
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| Von der ARD-Sportschau hält die Wissenschaft nicht viel. Foto: dpa |
(...) Mit der journalistischen Leistung sei es nicht weit her, befindet jedoch ein „Akademisches Fußball-Team der Sportwissenschaft“, das sich jetzt in einem „Offenen Brief“ an die ARD und Sport-Funktionäre wendet.
Plakative Schlagzeile: „Rettet den Fußball vor dieser Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.“ Die Initiative geht maßgeblich auf den Münsteraner Professor Dieter H. Jütting vom Institut für Sportkultur und Weiterbildung zurück.
Mit unterzeichnet haben Experten wie Michael Krüger vom Institut für Sportwissenschaft, der Hamburger Literaturhaus-Leiter Rainer Moritz, Günter Joschko, Projektleiter Deutsche Akademie für Fußball-Kultur, oder Klaus Theweleit, Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.
Die Tonlage ist scharf bis aggressiv. Die Verantwortlichen der Sportschau hätten „offensichtlich einen Zuschauer vor Augen, der vom Fußball nichts versteht und der durch ständige Wiederholungen von Selbstverständlichkeiten und Ankündigungen auf das bevorstehende Vergnügen hingewiesen werden muss“.
Resümee: „eine Tendenz zur Infantilisierung“. Die 22 Unterzeichner des Briefs beziehen sich auf eine in der Frankfurter Allgemeinen erschienene Auswertung der Sportschau vom ersten Spieltag der laufenden Saison. Danach habe die ARD insgesamt nur 36 Minuten lang Bilder von den Spielen geboten; knapp eine Stunde sei mit Werbetrailern und Ansagen verbracht worden.
Tatsächlich ist die ARD stolz darauf, die Lizenzpreise, die sie der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gezahlt hat, mit Werbeblöcken, Sponsoring und Gewinnspielen zu refinanzieren. Damit liegt die Sportschau in der Tradition der Vorgängersendung ran auf Sat1. (...)
Sportsoziologe Jütting sagt, seines Wissens sei es noch nicht vorgekommen, „dass sich Wissenschaftler verschiedener Fächer in dieser Form zur Fußball-Berichterstattung geäußert haben“. Die Kritik: Durch eine „aufdringliche Berichterstattung“ über das „vermeintlich Spektakuläre“ werde ein „völlig verzerrtes Bild des Fußballs erzeugt“. (...)
Insgesamt werde dem Spiel durch seine „unwürdige und klamaukhafte Inszenierung“ Schaden zugefügt. Der „klassische Auftrag“ sei im Öffentlich-Rechtlichen besonders ernst zu nehmen - der Sport dürfe nicht „als Umfeld für Werbung, Vermarktung und Inszenierung“ geopfert werden. (...)
Zu den Wissenschaftlern sagt (Struve), anders als behauptet sei der Anteil der Spielminuten am ersten Spieltag viel höher gewesen und hätte bei 57 Minuten gelegen. Die vielen Sende-Elemente störten nicht, sondern seien akzeptiert: „Die Leute wissen, dass man die Bundesliga, wenn man sie hat, nur durch Werbung und Sonderwerbeformen finanzieren kann.“
Auch der Vorwurf der Infantilisierung treffe nicht zu. Struve: „Das, was die wollen, hatte das ZDF in den sechziger Jahren - die verkopfte Interpretation, was dieser Pass wohl für die Umwelt meinen könnte. Zum Fußball hat man aber entweder einen emotionalen Zugang oder gar keinen - und wenn man keinen hat, kommt so etwas heraus. Das ist der Unterschied zwischen Sport und Sportwissenschaft.“
Lesen Sie den Offenen Brief:
Rettet den Fußball vor dieser Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
Akademisches Fußball-Team der Sportwissenschaft Uni Münster, 28. September 2005
Lesen Sie den Artikel, der die Diskussion angestoßen hat:
Ein bißchen Sport darf sein: ARD-„Sportschau“, von Jürgen Kaube, FAZ, 8. August 2005
Lesen Sie einen weiteren Artikel dieses Autors in der FAZ:
Bierniveau - Ein ARD-Intendant antwortet auf die Kritik an der Sportberichterstattung
Schluß mit den Werbegameshows!
Wir haben es ja gesagt: Wissenschaftler schreiben einen offenen Brief gegen die „Sportschau“

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