Das GANZE Werk - Presseschau
Berliner Zeitung, 14. Januar 2006
Kritik und Selbstkritik
Beobachtungen zur WDR-Polit-Talkshow „Hart, aber fair“
Von Björn Wirth
Man kann der ARD ja vieles und zu Recht vorwerfen, aber eines muss man ihr lassen: In der Beschäftigung mit sich selbst ist sie durchaus auch zu kritischen Tönen fähig. Nicht immer, auch nicht oft, aber manchmal eben doch. Mal eher versteckt und über Bande, dann wieder recht direkt.
In dieser Woche gab es beide Varianten zu besichtigen. Zunächst die indirekte Version im Nachrichtenmagazin Focus, das ein Interview mit dem WDR-Intendanten Fritz Pleitgen geführt hatte und ihn unter anderem danach fragte, welche Sendeplatz Frank Plasberg bekommen soll, wenn er im nächsten Jahr mit seiner WDR-Polit-Talkshow „Hart, aber fair“ vom Dritten Programm ins Erste wechselt. Das Magazin schlug den Platz von „Christiansen“ am Sonntagabend vor, worauf Pleitgen befand, dass „Hart, aber fair“ dort „nicht optimal aufgehoben“ wäre. Die Begründung reichte der Intendant gleich nach. „Dafür ist die Sendung zu journalistisch“, sagte Pleitgen. Aua.
Doch Pleitgen hat Recht. Seit einiger Zeit, ach was, eigentlich schon seit längerem, sind die Sendungen von Sabine Christiansen zu belanglosen Plauderstündchen verkommen, mit einem festen Stamm an Gästen, die zu jedem Thema reden. Was, ist ziemlich egal.
Mitte der Woche folgte die direkte Kritik in eigener Sache, und wieder hatte es mit Frank Plasberg zu tun. Der Westdeutsche Rundfunk feiert in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag, nicht nur so für sich, sondern auch im Programm. Das geht natürlich nicht ohne die üblichen Jubelarien ab, es geht aber auch ein bisschen anders. So beging Frank Plasberg in seiner Sendung „Hart aber fair“ das Jubiläum auf ganz eigene Weise. „Werden die Gebühren verjodelt? Fernsehen zwischen Qualität und Quote“, lautete sein Thema am Mittwoch, ganz prinzipiell ging es um die schleichende Angleichung von öffentlich-rechtlichen Sendern und Privaten, im Konkreten ging es um die zig Millionen für die Fußball-Bundesliga, die die ARD bezahlt hat, um das fortwährende und zum Teil auch parallele Geschunkel bei ARD und ZDF und um die Frage, warum beide Anstalten dieselbe königliche Taufe/Verlobung/Entlobung/Hochzeit/Beerdigung/ übertragen müssen, zum Teil mit denselben Bildern. Ein durchaus kritischer Blick auf den eigenen Laden also, auch wenn die ganz große Schärfe fehlte. Aber ARD-Programmdirektor Günter Struve musste ebenso Auskunft geben wie „Monitor“-Chefin Sonia Mikich, und die war mit ihrem Programmchef keineswegs immer einer Meinung. Und wenn dann noch Jürgen Doetz, der Chef des Verbands der Privatsender, zu Wort kam, mochte man fast nicht glauben, dass er sich hier um eine Sendung des WDR handelt.
Kritik und Selbstkritik hieß das früher. Aber das waren anderen Zeiten.

• Der kleine Erfolg: