Das GANZE Werk - Presseschau
Leo Kirch wollte den Springer-Konzern seinem Fernseh- und Filmimperium einverleiben. Leise, still und heimlich kaufte Kirch Springer-Aktien zusammen, um dereinst ganz allein über Deutschlands größtes Zeitungshaus zu herrschen...
Frankfurter Rundschau, 2. Februar 2006
Der Fluch des Leo Kirch
Springers Scheitern: ein Erbe
Von Markus Brauck
Leo Kirch ist ein frommer Mann. Manche nannten ihn deshalb „Leo Kathedralowitsch“. Kaum anzunehmen also, dass der gestürzte Medienmagnat irgendwen verfluchen würde. Aber wenn es einen gäbe, dem er zumindest geschäftlich nicht nur pures Gelingen wünscht, dann wäre das wohl Springer-Chef Mathias Döpfner. Er war es, der das Ende von Kirchs Medienimperium einleitete. Im Jahr 2002 war das. Springer machte damals von seinem Recht Gebrauch, ein im Sommer 2000 erworbenes Aktienpaket an der Fernsehgruppe Pro Sieben-Sat 1 für 767 Millionen Euro an Kirch zu verkaufen. Kirch musste zahlen, konnte aber nicht.
Nun schreiben die Medienhistoriker das Jahr 2006, und Leo Kirchs ehemaliges Reich kommt immer noch nicht zur Ruhe. Bei Premiere schlägt sich der ehemalige Kirch-Intimus Georg Kofler mit einer verpatzten Wette um Fußballrechte herum. Und wem die alten Kirch'schen Fernsehsender ProSieben und Sat 1 in Zukunft gehören werden, weiß auch keiner.
Dem Springer-Konzern jedenfalls nicht. Mathias Döpfner ist an der gleichen Stelle gescheitert, an der auch Leo Kirch gescheitert ist. Der hatte das Gleiche vor wie Döpfner - mit dem kleinen, nicht unbedeutendem Unterschied, dass Kirch auch noch der damals einzige deutsche Bezahlsender Premiere gehörte. Er wollte den Springer-Konzern seinem Fernseh- und Filmimperium einverleiben. Leise, still und heimlich kaufte Kirch Springer-Aktien zusammen, um dereinst ganz allein über Deutschlands größtes Zeitungshaus zu herrschen. Schritt für Schritt kam er seinem Ziel näher, erkämpfte mühsam 40 Prozent der Springer-Aktien, die er am Ende wieder loslassen musste. Der Versuch medialer Traumhochzeiten zwischen Springer und Kirch endete stets als Scherbenhaufen.
Kirch war bei Springer ein ungebetener Gast, ein Eindringling. Es wäre eine späte Rache an diesen Kirch'schen Ungezogenheiten gewesen, wenn Springer bei ProSieben-Sat 1 zum Zuge gekommen wäre. Doch das Riesenreich des Leo Kirch kommt nicht zur Ruhe. Die Hochzeit ist abgesagt.
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