Das GANZE Werk - Presseschau

Verdi, NDR-Betriebsgruppe, 26. Februar 2006

Volker Herres neuer NDR-Intendant?

Volker Herres Karriere im NDR ist untrennbar mit dem Namen Plog verbunden. Seine parteipolitischen Präferenzen sind allerdings bis heute unklar geblieben.

In diesen Tagen verdichteten sich Spekulationen um die Nachfolge von Professor Jobst Plog. „Text intern“ berichtete, dass es „vorbehaltlich der formalen Zustimmung der entsprechenden Gremien eine Einigung geben“ soll, wonach der NDR-Fernsehdirektor Volker Herres (48) neuer Intendant des NDR werde. Der Pressesprecher des NDR bezeichnet die Meldung als falsch: „Sie basiert auf blanker Spekulation und entbehrt jeder Grundlage“. „Text intern“ bleibt trotz des Dementis bei seiner Darstellung. Bereits im Sommer hatte die TAZ über ein Personaltableau mit Volker Herres an der Spitze des NDR spekuliert. „Absurd“, hieß es damals.

Volker Herres Karriere im NDR ist untrennbar mit dem Namen Plog verbunden. Zunächst als persönlicher Referent, dann als Leiter der Intendanz reüssierte er Mitte der neunziger Jahre mit relativ geringer Fernseherfahrung zum Chefredakteur Fernsehen und nach dem Ausscheiden von Dr. Kellermeier zum NDR-Fernsehdirektor. Für NDR Verhältnisse eine atemberaubende, kaum begründbare Karriere. Volker Herres, früher IG Medien-Mitglied, legte damals Wert darauf, nicht als SPD-Mitglied bezeichnet zu werden. Seine parteipolitischen Präferenzen sind allerdings bis heute unklar geblieben.

Unnachgiebige Beschäftigungspolitik gegen freie Mitarbeiter

Volker Herres wird betriebsintern und in der Öffentlichkeit gelegentlich unterschätzt. Dabei steht fest, dass während seiner Tätigkeit in der Intendanz - vermutlich unter seiner maßgeblichen Mitwirkung - das Planstellenvernichtungsprogramm "Zuko" geplant und realisiert wurde. Jede achte Planstelle fiel dabei weg, eine bis heute stark nachwirkende Zäsur. Kaum zur Kenntnis genommen wird auch, dass die strukturellen Veränderungen bei der befristeten Beschäftigung von freien Programmmitarbeitern und die daraus resultierenden schwerwiegenden Konsequenzen für das Programm von ihm nachhaltig getragen und unnachgiebig gegen die Betroffenen durchgesetzt werden.

Zu erwarten ist im Falle seiner Wahl, dass der Trend zur Flexibilisierung und Marktabhängigkeit (Stichwort: Privatisierung der Rundfunkgebühren) weiter verstärkt wird, mit noch nicht absehbaren Folgen für Personal und Arbeitsplätze. Volker Herres gibt sich persönlich zurückhaltend und bescheiden. Er leidet nach unserer Erfahrung weder an Egomanie noch an unerträglicher Wichtigtuerei. Das lässt auf ein geändertes Betriebsklima hoffen.

CDU festigt Führungsposition bei Direktorenposten

Mit dem möglichen Ausscheiden von Jobst Plog aus dem NDR gibt es ein Novum: Die SPD ist nahezu platt und bedeutungslos. Sie verfügt dann nach unserer Kenntnis im Gegensatz zur üppig vertretenen CDU nur noch über einen Direktorenposten, trotz guter Repräsentanz des „linken“ Lagers in den NDR-Gremien. Nun verstehen wir endlich, warum Jobst Plog ein entspanntes Verhältnis zu Christian Wulff bekunden kann.