Das GANZE Werk - Presseschau

Netzeitung, 1. März 2006

Altpapier vom Mittwoch - Der Blick in die Feuilletons

Von Matthias Dell

Einstein. Aber nicht der des Anstoßes. Foto: dpa
Es kommt Kritik an der Kritik des ARD-Chefredakteurs auf.
Das Schreiben des scheidenden ARD-Koordinators Hartmann von der Tann wurde in den ersten Reaktionen häufig als Brandbrief bezeichnet. Die Wahl dieser Metapher könnte sich als vorschnell erweisen, wie sich heute zeigt.

Nach genauer Lektüre wird offenbar das sprachliche Bild des Steins favorisiert. «Da hat der (...) ARD-Chefredakteur noch einmal einen Stein ins Wasser geworfen, der nun für Wellen zwischen Hamburg und München sorgen dürfte», prophezeit etwa die ‚FR‘. Dagegen warnt die ‚taz‘: «Hier sitzt einer im Glashaus, der mit Steinen wirft.»

Denn das, was von der Tann kritisiert, hat er selbst zu verantworten. Rainer Braun im «taz»-Beitrag:

Aber es war eben auch von der Tann, unter dessen Ägide etwa die herausragende HR-Reihe ‚Das rote Quadrat‘ keine Zukunft mehr hatte und exzellente Dokumentationen der Länderanstalten vom Ersten ausgeschlossen blieben. Stephan Lambys Porträt über Stefan Aust zählte dazu wie Wilfried Huismanns bissiger Beitrag zu Henry Kissinger oder zuletzt der für einen Grimme-Preis nominierte Film ‚Why we fight‘.

Außerdem steht der Qualitätsbegriff von der Tanns in Frage: Er kritisiere das Profil des Sendeplatzes, meine aber die schlechten Quoten der Dokumentationen im Ersten.

Immerhin, in der «Berliner» (Seite 30, nicht in der Online-Ausgabe) ist zu lesen, dass die Kritik des ARD-Chefredakteurs die Unterstützung des ARD-Programmdirektors erhält: Günter Struve ist auch für mehr Qualität. Da wären es schon zwei.

Lutz Hachmeister, Ex-Grimme-Chef und jetziger Direktor des Berliner IfM, erkennt im Interview mit dem ‚Tagesspiegel‘ einen Trend. «Immer wenn Leute aufhören, schreiben sie Abrechnungen mit ihrem System.» Damit ist nicht der sympathisierende Struve gemeint, sondern der vormalige Auslandskorrespondent und heutige Buchautor Jürgen Bertram («Mattscheibe»).

Hachmeister: «Ich würde mir mehr ARD-Mitarbeiter wünschen, die sich während ihrer aktiven Arbeitszeit engagieren.»

(...)

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sueddeutsche.de bringt ihn im Original, Süddeutsche Zeitung, 26. Februar 2006

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